|
|
Stenografenverein Karlsruhe e.V. |
Aktuelles
|
Der Philosoph Friedrich Nietzscheund seine Schreibmaschine"SIE HABEN RECHT - UNSER SCHREIBZEUG ARBEITET MIT AN UNSEREN GEDANKEN"Diese Feststellung traf Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900), als der unter einer Sehschwäche leidende Philosoph im Februar 1882 während seiner Arbeiten an der "Fröhlichen Wissenschaft" Tinte und Federfass gegen das vom dänischen Erfinder Malling Hansen entwickelte Gerät eintauschte.
Er hatte die Schreibmaschine von seiner Schwester Elisabeth geschenkt bekommen. Paul Reé hatte sie ihm nach Genua in seinen Winterwohnsitz mitgebracht. Diese Maschine, nach ihrem Erbauer "Malling Hansen" genannt, war mit einer gewölbten, schädelartigen Schreibkugel ausgestattet. Die Schrift wurde von oben durch ein Baumwollfarbband auf das Blatt gedruckt, wobei die Schrift dem Blick entzogen war. Nietzsche verfasste auf der Maschine Reime und Zweizeiler verschiedenster Art. Damit zeigte sich der Philosoph von einer heiteren Seite. Diese Schreibmaschinentexte, so schreibt die Berliner Zeitung, hätten ein anderes Timbre als die des noch von Hand schreibenden Nietzsches: "Sie sind, geschuldet der ungewohnten, zur Langsamkeit zwingenden Schreibpraxis, knapper, prägnanter, zugespitzter als seine sonstige Prosa und Poesie. Man spürt eine fast kindliche Lust am Reimen, dem alles Grimmige und Gräme, auch pathetisch Aufgeladene und Schwerblütige abgeht." Stephan Günzel und Rüdiger Schmidt-Grepály haben diese Texte erstmals vollständig in einem Faksimiledruck herausgegeben: Friedrich Nietzsche Vollständige Edition. Faksimiles und kritischer Kommentar, aus dem Nachlass hg. v. Stephan Günzel u. Rüdiger Schmidt-Grépály, mit einem Nachwort von Friedrich Kittler Weimar: Verlag der Bauhaus Universität, 2. verb. Aufl., 2002, 104
S. |